Archiv | August, 2018

Umgang mit Flüchtlingen, stümperhaft

19 Aug

 

 

Wie in einem Albtraum kann es immer wieder sein, dass man aufwacht, sich fragt: „ist es wahr?“ und dann wiederum weiterschlummert und nur die Häfte mitbekommt. Man versucht zu ignorieren, weiterzuschlafen. Kopf in den Sand: denn es ist ja nicht mein Problem – und – ich kann nichts machen.

Alles was ich tun konnte habe ich versucht. Alles. Ich habe Menschen in Bedrängnis aus elenden Situationen abgeholt. Habe an Flüchtlingsgeschichten geglaubt, habe sie nicht geglaubt – und doch geholfen. Habe mich an Vereinen gestoßen – habe erlebt, wie plötzlich Flüchtlinge für die politische Sache benutz werden. Wurde ausgeschlossen.

Und nun das…. .  Eine Expertenmeinung geht als kleine Schlagzeile um die Welt. Dem jungen afghanischen Flüchtling wird die Homosexualität abgesprochen. Fadenscheinig und unprofessionell wirken die Argumente.

Wie eine Bestätigung der zuvor geahnten Dinge steht dieser Bescheid nun da. Wir beschäftigen uns nur stümperhaft mit den Problemen der zu uns gekommenen Menschen. Es scheint, als würden die Bescheide willkürlich gegeben. So nach Laune der Beamten. Der erste negative Bescheid wird immer angefochten, also ist es egal, was in dem Bescheid steht. Ich kenne viele Menschen, die als unter „Verfolgung“ leidende Christen Asyl bekommen haben, aber im Großen und Ganzen keine Ahnung haben, was Christsein eigentlich bedeuten kann. Hauptsache Asyl, die Religion ist wurscht. Den Christen kann man es ja antun. Da ist eh alles wurscht.

In meinem Freundeskreis gibt es einen Fall, wo der in Afghanistan lebende Vater während des Verfahrens erschossen wurde. Ich bin persönlich mit dem jungen Mann zur zuständigen Außenstelle des BFA gefahren und habe die Beweise abgegeben. Drei Wochen später: „negativ“. Dieser Mann hatte bis dato eine mustergültige Anwesenheit in Österreich hingelegt. Er hatte immer Angst um seinen Vater. Er war einer von denen, die wirklich aus Afghanistan sind – nicht von den im Iran lebenden Afghanen, die einfach die offenen Grenzen genutzt hatten und zu kommen. Nun sind die vielen Menschen da, die Meisten lügen was das Zeug hält – und unsere Antwort darauf: wir geben stümperhafte Bescheide aus. Menschen die jahrelang auf eine solche Antwort warten, verlieren ihren Mut und ihre Hoffnung. Stattdessen wächst Unzufriedenheit, Hass und es entstehen psychische Probleme.  Viele sind gekommen, weil sie falsch informiert waren, weil sie nichts zu verlieren hatten und es die Gelegenheit dazu gab.

Wir haben es aber versäumt ihnen die Wahrheit beizubringen und sie mit den richtigen Argumenten und mit einer Portion Bildung und Mut wieder zurück zu bringen.

Was hindert uns eigentlich daran vor Ort in den Ländern zu recherchieren was eigentlich los ist. Was hindert die Presse eigentlich daran die Bescheide des BFA zu hinterfragen und zu durchleuchten. Warum überprüfen wir nicht wie die asylberechtigten Menschen in Österreich leben?   Warum gibt es nur selten Berichte über Menschen unwürdige Zustände in Flüchtlingsunterkünften? Die politische Diskussion über die Flüchtlingsproblematik ist einseitig und von Unwissenheit geprägt. Würden sich mehr Menschen mit dem Thema auseinandersetzen, sie sähen – das Problem ist viel schlimmer als angenommen – und die aktuellen politischen Lösungsansätze sind genauso stümperhaft wie die Bescheide, die sich wie im Falle des jungen homosexuellen Afghanen nur auf Annahmen stützen. Geht’s denn besser? Ja es könnte besser gehen. Doch der Wille fehlt. Die Flüchtlinge wollen nicht und wir wollen auch nicht Wie soll so eine Zukunft aussehen?

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